Darmspiegelungen bald überflüssig?

In den westlichen Industrieländern ist Darmkrebs eine der häufigsten Krebserkrankungen.

Alleine in Deutschland erkranken jährlich über 70.000 Menschen daran, 27.000 sterben an der Krankheit. Insgesamt sind 6% aller Deutschen – Frauen wie Männer – im Laufe ihres Lebens von Darmkrebs betroffen.

Erschreckend an diesen Zahlen ist, dass Darmkrebs durch Früherkennung in den meisten Fällen verhindert werden kann.

So lange er sich nicht auf andere Organe ausgebreitet hat, ist Darmkrebs zu 90 – 100% heilbar. Häufig wird er jedoch zu spät erkannt, da er sehr langsam wächst und erst spät Symptome zeigt.

Heute weiß man, dass Darmkrebs in den meisten Fällen aus gutartigen Vorstufen hervorgeht. Bei einer Darmspiegelung sind diese als Polypen sichtbar und können während der Untersuchung entfernt werden. Die so genannte Koloskopie wird seit 2002 allen gesetzlich Krankenversicherten ab 55 empfohlen und erstattet. Wenn keine Veränderungen gefunden werden, ist die nächste Darmspiegelung erst nach zehn Jahren notwendig.

Alternativen zur Darmspiegelung
Leider wird die Möglichkeit der Darmkrebs-Prävention in vielen Fällen nicht wahrgenommen, da die Darmspiegelung als unangenehm empfunden wird: Nur jede dritte Frau und jeder sechste Mann ab 50 nutzen diese Chance.

Inzwischen gibt es Methoden, die man erst einmal nutzen kann, bevor man sich einer aufwändigen Darmspiegelung unterzieht: Mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden können z. B. Bruchstücke von Krebszellen oder DNA mit krebstypischen Veränderungen im Stuhl oder Marker im Blut nachgewiesen werden. Erst wenn diese Tests positiv ausfallen, wird zur weiteren Diagnose oder zur Behandlung eine Koloskopie vorgenommen.

HaemOccult-Test
In Deutschland bieten die Krankenkassen allen Versicherten ab 50 einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl an, der Hinweise auf Vorstufen von Darmkrebs geben kann. Allerdings ist der HaemOccult-Test wenig empfindlich, das heißt, er erkennt bei weitem nicht alle Erkrankungen. Forscher fanden heraus, dass immunologische Tests dem HaemOccult-Verfahren eindeutig überlegen sind, was das Aufspüren von Krebsvorstufen betrifft.

Septin9-Test: Blutuntersuchung bestimmt DNA-Marker
10 ml Blut genügen, um festzustellen, ob ein Darmtumor DNA in den Blutkreislauf abgegeben hat – und dies tut er schon in einem frühen Stadium: Der so genannte Biomarker mSEPT9 kann durch einen einfachen Bluttest der Epigenomics AG nachgewiesen werden.

Doch eine endgültige Diagnose kann dadurch nicht erstellt werden: Bei 10% der Patienten wird fälschlicherweise ein Marker angezeigt, und insgesamt liegt die Sensitivität des Tests bei 70% – das heißt, nur jeder siebte Tumor wird erkannt. Dennoch bestätigen klinische Studien den Septin 9-Test für eine attraktive Alternative zur Koloskopie – vor allem für Risiko- Patienten, die diese (erst einmal) vermeiden wollen.

Ein Bluttest könnte die Akzeptanz einer Darmkrebs-Früherkennung steigern, da er patientenfreundlicher ist. Bei einem postiven Ergebnis ist eine Darmspiegelung zur weiteren Diagnose unabdingbar, bei einem negativen Ergebnis sollte bei Risikopatienten nach 2 Jahren eine weitere Vorsorge-Untersuchung durchgeführt werden.

Stuhlbasiertes DNA-Screening: „Colorectal Cancer Screening Test“
Der Screening-Test der amerikanischen Firma Exact Sciences untersucht Stuhlproben auf veränderte DNA und kann so kanzerogene Veränderungen feststellen. Auch hier ist bei ienem positiven Befund eine anschließende Darmspiegelung unausweichlich.

Quellen:
www.krebsinformationsdienst.de
Deutsches Krebsforschungszentrum (www.dkfz.de)
www.epigenomics.com
www.exactsciences.com

Bild: © darren baker / iStockphoto

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