Die Frau im Bikini wird für Männer zum Objekt

Der Sommer ist endlich da und die Badesaison eröffnet. Ob Baggersee oder Mittelmeer: geht es Ihnen auch so, dass Sie Ihren Blick nicht von Bikini-tragenden Schönheiten abwenden können und sich vielleicht ähnliche Gefühle, wie beim Gedanken an die geliebte Bohrmaschine regen? Dabei können Sie sich, laut einer amerikanischen Studie, gar nicht dagegen wehren. So werden fremde Frauen im Bikini vom männlichen Gehirn als Objekt eingestuft. Dieser Vorgang läuft nicht absichtlich ab, sondern ganz unterbewusst. Das Problem: die Objektivierung kann dazu führen, dass Frauen dehumanisiert werden und das Gehirn, das die Bikini-Frau sogar mit einem Werkzeug gleichsetzt, den Mann in seinen Handlungen zum Negativen hin beeinflusst.

Das männliche Gehirn macht aus Frau plus Bikini ein Objekt

Das männliche Gehirn macht aus Frau plus Bikini ein Objekt

 

Mit wenig Kleidung wird sie zum Objekt

Die Wissenschaft bringt manchmal wunderliche Ergebnisse hervor. Bestes Beispiel: eine schon ein paar Jahre alte Studie aus den USA. Ein Forschungsteam der Universität Princeton lud 21 heterosexuelle Männer zur Diashow ein. Gezeigt wurden Bilder von Frauen, mal ganz  bekleidet, mal knapp im Bikini. Dazwischen gab es Fotos von Haushaltsgeräten und Handwerksbedarf zu sehen. Während der ganzen Bilder-Show wurden die Gehirnströme der Probanden gemessen. Ergebnis: die Bilder mit den leichtbekleideten Frauen blieben im Gedächtnis, gleichzeitig wurden Hirnareale aktiviert, die sonst nur bei Betrachtung von Werkzeugen oder Haushaltsgeräten in Gang kommen. Die leicht bekleidete Frau wird im männlichen Gehirn mit Gebrauchsobjekten gleich gesetzt. Die Hirnregionen, die eine Handlung vorbereiten wollen, wurden bei der Betrachtung von leicht bekleideten Bikini-Schönheiten genauso aktiviert, wie, wenn ein Hammer oder eine Bohrmaschine das Sichtfeld streifte. Die Regionen, die ansonsten für Empathie zuständig sind, blieben  jedoch ohne Reaktion. Auch assoziierten die Probanden die eher sexy und leicht bekleideten Frauen mit Bezeichnungen, wie „ich handhabe“, im Gegensatz zu etwas bekleideteren Frauen, wo die dritte Person des „sie handhabt“ greift. Frau plus Bikini also gleich Objekt?

 

Problematische Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie sind interessant, können jedoch auch problematisch sein, denn gerne werden diese wissenschaftlichen Experimente zur Rechtfertigung des männlichen Umgangs mit Frauen hergenommen. Oberflächlich gesehen könnte die Studie so all denen zuspielen, die leicht bekleidete Frauen dafür verantwortlich machen, wenn sie sexuell belästigt werden, da der Mann eben einfach nicht anders kann. Trotz der biochemischen Abläufe im Gehirn ist der Mann natürlich nicht von allen gesellschaftlichen Strukturen und Gesetzten befreit. So ist es wichtig zu wissen, dass der Mensch auf bestimmte Stimulationen unterbewusst mit einer Dehumanisierung seines Gegenübers reagieren kann, das sollte jedoch nicht als Ausrede für unflätiges Verhalten sein. Übrigens ergab eine weitere Studie, dass Männer und Frauen eine bestimmte Gruppe ebenfalls dehumanisieren. Hierbei handelt es sich um Drogenabhängige und Obdachlose.  Dabei wird jedoch, im Gegensatz zu den leicht bekleideten Frauen, lieber auf Abstand gegangen.

 

Bloß nicht zu viel Haut bedecken

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Umfrage der Frauenzeitschrift Marie Claire. Denn rund 100 Männer wurden zu ihren Bikini-Vorlieben  befragt.  Vor allem die Modelle Bandeau, String und der klassische Bikini waren bei den Männern beliebt. Die etwas verhüllenderen Tankini oder Monokini begeisterten jedoch weniger Männer. Die meiste Ablehnung, rund 79 Prozent der Befragten, erfuhr das Retro Pin-Up Modell mit auf Taille sitzenden Bikinis oder Einteilern. Was sich genau hinter den ominösen Begriffen Tankini, Bandeau und Co. verbirgt können Sie übrigens hier nachlesen.  Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch zu erfahren, in wie weit das Bikini-Modell und das Design eine Auswirkung auf die Objektivierung der tragenden Frau hat.
Ob Frauen auch Männer in Bezug auf bestimmte Eigenschaften objektivieren, wurde wissenschaftlich noch nicht behandelt. Evolutionspsychologen gehen jedoch davon aus, dass Frauen ebenfalls Männer dehumanisieren könnten. Dabei würde es jedoch nicht um den Körper, sondern den Status und das Vermögen gehen.
 

Mehr Informationen zu der Studie finden Sie auch hier.

 Bild: Alex James Bramwell /shutterstock.com

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