Hypnose, Sex & Flirten: Interview mit einer Hypnosetherapeutin

Flirten: viele wollen es, wenige können es. Dabei spielt das Aussehen für das Gegenüber eine viel geringere Rolle als man glaubt. Vor allem auf das Selbstvertrauen und ein Gespür für die Interessen des Gesprächspartners kommt es an. Da der Trend zur zielgerichteten Therapie mittels Hypnose immer stärker zunimmt, haben wir für Sie Katharina Hanf-Dressler vom Hypnose-Zentrum ins Kreuzverhör genommen – sie verrät uns, wie Hypnose die Flirtchancen verbessern kann.



katharina portrait

Katharina Hanf-Dressler ist staatlich zugelassene Psychotherapeutin und Geschäftsführerin des Hypnose-Zentrums in Berlin (www.hypnose-zentrum.com). Ihr 10 köpfiges Team von Hypnosetherapeuten sorgt sich um Probleme wie Burn-Out, Essstörungen, Raucherentwöhnung und co. Ein weiteres Therapiegebiet ist allerdings auch das Liebesglück und Paarbeziehungen.

MENSVITA: Frau Hanf-Dressler, gibt es auch Kunden, die gezielt auf Grund von Problemen bei der Partnersuche zu Ihnen kommen und kann man mittels Hypnose seine Flirtfähigkeiten erhöhen?

KATHARINA HANF-DRESSLER: Natürlich. Das ist doch letztlich das elementare Thema, das uns alle antreibt – Liebe. Menschen empfinden potenzielle Partner als attraktiv, die sich mit sich selbst wohlfühlen. Das bedeutet, ganz entgegen allen Heilsbotschaften der Beauty-Industrie, dass nicht derjenige begehrenswerter wirkt, der optisch näher an der so genannten Norm ist, sondern der, der ausstrahlt: „Ich bin mit mir im Reinen. Ich weiß, was ich Dir zu geben habe. Ich liebe meinen Körper. Ich liebe mein Leben. Wenn Du Lust hast, sei Teil davon!“ Das ist ein Aspekt, die gesunde Selbstwahrnehmung. Oft bremsen uns auch negative Erfahrungen aus.

„Mit der Hypnosetherapie können wir genau da ansetzen, wo Flirttricks nicht funktionieren“

MENSVITA: Inwiefern?

HANF-DRESSLER: Zum Beispiel: Peter ist in der Disco. Er geht zu Mädchen 1 und fragt: Willst Du mit mir tanzen? Sie verneint.
Peter geht zu Mädchen 2 und fragt: Willst DU vielleicht mit mir tanzen? Und sie verneint ebenfalls.
Peter geht zu Mädchen 3 und fragt: Und Du willst bestimmt auch nicht mit mir tanzen? Na, was wird Mädchen 3 wohl  antworten?
Mit der Hypnosetherapie können wir genau da ansetzen, wo Flirttricks nicht funktionieren können, bei  der Brillenfärbung nämlich, mit der ich auf mich selbst schaue. Und das funktioniert großartig!

MENSVITA: Was genau kann ich mir unter ‚Hypnose‘ vorstellen?

HANF-DRESSLER: Im therapeutischen Sinne ist Hypnose ein tiefer Zustand der körperlichen und geistigen Entspannung sowie der Fokussierung. Man kann sich das vorstellen, als ob man mit einer Stabtaschenlampe in sein Inneres leuchtet. Zusammenhänge werden klar, Neubewertungen werden möglich.



„Theoretisch ist auch Manipulation möglich.“

MENSVITA: Könnte man theoretisch jemanden, der für Hypnose stark empfänglich ist, wie in Filmen manipulieren, dass er bspw. als Attentäter oder Terrorist ohne sein Wissen handelt?

HANF-DRESSLER: Auch wenn Hypnotherapeuten dies gern leugnen, aber es stimmt schon: Theoretisch ist auch Manipulation möglich. Da verhält es sich mit der Hypnose wie mit jedem anderen mächtigen Werkzeug – entscheidend ist, wer es benutzt. Ich persönlich würde mich nicht an einen Therapeuten wenden, der keine staatliche Heilzulassung besitzt.

MENSVITA: Ist es dann auch möglich die grundlegenden Charakterzüge eines Menschen zu verändern? Beispielsweise vom schüchternen Bücherwurm zum ausgelassenen Flirter?

HANF-DRESSLER: Grundlegend umkrempeln sollte man einen Menschen nicht. Warum auch? Wenn sich jemand in Dich verliebt, dann ja eben deswegen, weil Du so bist, wie Du bist. Es gibt einen Markt für Bücherwürmer und einen für Muckitypen, Gott sei Dank.

MENSVITA: Kann Hypnose dauerhaft bestimmte Verhaltensmuster eines Menschen verändern?
Durch Hypnose soll man sich auf sein Innerstes fokussieren können.

Durch Hypnose soll man sich auf sein Innerstes fokussieren können.

HANF-DRESSLER: Das kann sie. Und das ist ja auch genau der Vorzug, den sie gegenüber vielen anderen therapeutischen Verfahren hat. Es geht in der Hypnotherapie nicht darum, sich anzustrengen, sich zu disziplinieren. Wenn ein Problem wirklich tief und ursächlich aufgelöst ist, dann bleibt das auch so. Hypnose kann das. Unser Verfahren, EHT®, ist genau dazu entwickelt worden. Wir legen keine bloßen Suggestionen auf ein Problem, um dieses zu unterdrücken. Diese Variante gibt es auch, sie funktioniert auch kurzfristig, langfristig aber nie.  Für den Interessenten ist es deshalb wichtig zu wissen, dass Hypnose nicht gleich Hypnose ist.

MENSVITA: Es gibt also unterschiedliche Hypnosevarianten?

HANF-DRESSLER: Ja, und die eben beschriebene reine „Suggestivhypnose“ ist noch immer echt populär. Unser Spezialgebiet ist jedoch die energetische Hypnotherapie, also die Verbindung auflösender hypnotherapeutischer Verfahren mit energetischen Techniken, die Veränderungen unmittelbar spürbar machen. Unser Praxisalltag zeigt, dass diese Symbiose extrem kraftvoll wirkt.

“Sexuelle Störungen sind allermeistens keine physischen Probleme.”

MENSVITA: Über- oder Unterempfindlichkeit des Penis sind doch physische Probleme – wie lässt sich das mittels Hypnose beheben?

HANF-DRESSLER: Nein, das sind eben allermeistens keine physischen Probleme. Das kann man schon daran erkennen, dass die meisten sexuellen Störungen nicht „zuverlässig“ auftreten. Also zum Beispiel beim Sex mit Partner schon, bei Masturbation aber nicht. Sexualität ist ein unglaublich wahrhaftiges Spiegelbild für psychische Konflikte – in einem Menschen, aber auch innerhalb eines Paares. Diese Konflikte können wir hypnotherapeutisch lösen – dann brauchen sie sich nicht mehr mittels „Penis“ oder „Vagina“ zu artikulieren. Klingt schräg, ist aber so.

MENSVITA: Wie offen sprechen Kunden, die wegen sexueller Störungen zu Ihnen kommen, über ihre Probleme?

HANF-DRESSLER: Sehr offen. Das ist auch Bedingung für den Erfolg einer Therapie. Wir wollen und müssen konkret arbeiten. Alles andere wäre unnützer Kaffeeklatsch.

MENSVITA: ‚Hypnosetherapeut‘ ist keine geschützte Berufsgruppe. Haben Sie auch schlechte Erfahrungen mit Kollegen aus Ihrer Branche machen müssen – etwa so, wie man es aus der Fotografen-Szene kennt?

HANF-DRESSLER: Ja, leider. Es ist gar nicht so selten, dass wir gebeten werden, die Folgen von etwas zu reparieren, das sich auch „Hypnosetherapie“ nannte.  Noch merkwürdiger ist es mit den Ausbildern. Nicht wenige haben nie selbst praktiziert und Erfahrungen gesammelt, sondern werden direkt von Seminarteilnehmern zu Seminarleitern. Davon halten wir nicht viel.

Die Geschäftsführer des Hypnosezentrums

Nikolai und Katharina Hanf-Dressler schufen gemeinsam ein neues Verfahren der Hypnosetherapie: die Energetische Hypnose-Therapie (EHT).

MENSVITA: Man findet sehr viele Hypnose-CDs zur Stärkung der Flirtfähigkeiten und co. zum Verkauf – können diese ohne Begleitung eines Therapeuten überhaupt etwas bewirken? Können diese ebenso einen negative Auswirkung haben wie schlecht ausgebildete Therapeuten?

HANF-DRESSLER: So schlimm ist es nicht, im ungünstigsten Fall passiert rein gar nichts, wenn man so eine CD hört. Was mich eher nervt ist die grässliche Qualität, die diese CDs haben. Miese Keyboardsounds, Schmatzer am Mikro… brrrr.

MENSVITA: 2011 gingen Negativschlagzeilen über einen „Lebensberater“ durch die Presse, der eine Frau durch Hypnose zu Geschlechtsverkehr gebracht hat. Dieser Mann wurde freigesprochen, da Hypnose nicht mit K.O.-Tropfen vergleichbar sei. Wie kann man sich vor so einem Machtmissbrauch schützen?

HANF-DRESSLER: Ich traue mich mal, auch hier ehrlich zu antworten: Man kann sich davor nicht 100%ig schützen. Es gibt immer wieder Menschen – ob Lehrer, Priester oder Therapeuten – die Ihre Macht und Ihren Einfluss sexuell ausnutzen. Nun fragen sich aber die meisten Menschen eher selten, wie sie sich vor übergriffigen Lehrern schützen können und sie kämen auch nicht auf die Idee, ihre Kinder nicht in die Schule zu schicken, weil sie dort Übergriffen ausgesetzt sein könnten. Für die Hypnosetherapie gilt: Achten Sie auf Seriosität. Damit meine ich das Renommee des Therapeuten, Professionalität der gesamten Praxis, eine staatliche Zulassung, transparente Vorgänge. Ein Hypnotiseur, der alleine in seiner Privatwohnung arbeitet, ist tendenziell unseriös. Trauen Sie sich, mitzuteilen, wenn Sie sich unwohl fühlen. Glauben Sie nicht, dem Therapeuten „gefallen“ zu müssen. Und wenn Sie sich unsicher fühlen – nehmen Sie eine Begleitung mit oder lassen Sie eine Videoaufzeichnung anfertigen.

MENSVITA: Zum Abschluss würden wir gerne noch wissen, was für Sie die schönsten Seiten an Ihrem Beruf sind.

HANF-DRESSLER: Für viele gibt es ein regelrechtes Aha-Erlebnis. So ein Gefühl, als hätten sie ihr ganzes Leben lang mehr oder minder tief gedöst und seien jetzt das erste Mal wirklich hellwach – für ihre Bedürfnisse, ihre Möglichkeiten, die ganze Saftigkeit des Lebens. Das ist sehr berührend mitzuerleben. Für mich persönlich das schönste an meinem Beruf.



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