Blauer Himmel und Wüstenlandschaft im Hintergrund, grüne, große Kakteen im Vordergrung

Männer können mehr als Rasenmähen!

Gartenarbeit ist Frauensache? Stimmt nicht! Vielleicht ist es nicht jedermanns Sache Rosen zu setzen, doch die Geschichte zeigt, dass viele berühmte Männer der Faszination des Gartens nicht widerstehen konnten. Wir wissen, wieso am Alexanderplatz in Berlin einst Kakteenbeete standen, erzählen, wie Le Nôtre den Schlosspark von Versailles revolutionierte und erklären, wieso bestimmte Malvenpflanzen nach Goethe benannt wurden.

Blauer Himmel und Wüstenlandschaft im Hintergrund, grüne, große Kakteen im Vordergrung

Wüstenfeeling mitten in Berlin. Dafür sorgte Joachim Fiedler mit seinen Kateenbeeten am Alexanderplatz.

Der Gärtner vom Alex

Die Biographie von Joachim Fiedler ist der eindrucksvolle Beweis, wie sehr das Leben eines Mannes von seiner Leidenschaft geprägt sein kann. Im Alter von acht Jahren bekam Fiedler ein Geschenk, das ihn sein Leben lang faszinieren sollte: eine Kaktuspflanze. Vier Jahre später besaß er bereits 3.000 Stück. Als er volljährig wurde, begann er eine Lehre als Gärtner. Etwas später wuchsen in seinen eigenen Treibhäusern 25.000 Kakteen, die er selbst gezüchtet hatte. Berühmt wurde er jedoch durch seine Kakteenbeete direkt am Alexanderplatz in Berlin. Vierzehn Jahre lang betreute und pflegte er im Zentrum Berlins seine Pflanzen, was ihm den Spitznamen „Gärtner vom Alex“ einbrachte. Durch den Bau der Straßenbahn sah sich Fiedler gezwungen, seine Beete nun vor dem Bezirksamt Mitte anzusiedeln. 1999 wurde dem engagierten Kakteenliebhaber das Bundesverdienstkreuz verliehen. Im Jahre 2000 löste Fiedler seine Beete altersbedingt auf. 2003 trennte er sich, kurz vor dem Einzug in ein Seniorenheim, auch von seinen privaten Besitztümern, immerhin 1000 Exemplare verteilt auf zwei Gewächshäuser. Sie wurden an den Zoologischen Garten, den Tierpark, das Grünflächenamt von Lichtenberg und Privatpersonen abgegeben.

 

Andre Le Nôtre: Architekt des Schlosspark Versailles

Andre Le Nôtre (1613-1700) gilt als der Vater des klassischen französischen Gartens. Der Sohn einer Gärtnerfamilie, die seit jeher im Dienste der königlichen Familie stand, erlangte durch die herausragende Gestaltung der Gartenanlage des Finanzministers Nicolas Vicomte de Vaux Fouquet die Aufmerksamkeit König Ludwig des XIV. Kurzerhand engagierte dieser den Gärtner, um die Anlage rund um das Schloss Versailles neu zu gestalten. Das Ergebnis der Arbeit (1662-1688) gilt noch heute als eine der imposantesten Zurschaustellungen des menschlichen Wunsches, Ordnung in die Natur zu bringen. In Le Nôtres Gärten dominieren symmetrische Baumgruppen, Alleen und Hecken, Blumen werden dagegen nur wenige gepflanzt. Das berühmteste Element seiner Anlagen ist das Parterre à Broderie – eine musterhaft angelegte Anordnung von Sträuchern und farbigen Kiesflächen. Um den höfischen Anforderungen gerecht zu werden, musste der Garten viele Unterhaltungsmöglichkeiten bieten, weshalb sich Wassertheater, Labyrinthe und Pavillons darin befinden. Mit der alle barocke Wünsche übertreffenden Konstruktion des Schlossgartens ging Le Nôtre als erster Landschaftskünstler in die Geschichte ein.

Ausblick auf einen Teil des Schlossparks Versailles mit Blick auf den See.

Nach den Plänen des begnadeten Landschaftsarchitekten Le Notre entstand der wunderschöne Schlosspark von Versaille. Auf diesem Bild sieht man die typischen Paterre à Broderie.

Gartenfreund Goethe

Im Götz von Berlichingen, einem Werk, das in der literarischen Epoche des Sturm und Drang entstanden ist, also nicht zu Goethes klassischen Werken zählt, lässt der neben Schiller bekannteste deutsche Schriftsteller einen Mönch die folgenden Worte sprechen:

„Wollte, Gott hätte mich zum Gärtner
oder Laboranten gemacht, ich könnte glücklich sein.“

Sehr viele von Goethes literarischen Schriften, seien es nun Gedichte, Dramen oder Romane, wurden zu Klassikern der deutschen Literatur. Wenig bekannt sind hingegen seine naturwissenschaftlichen Studien und Publikationen. Dass Goethe ein großer Naturfreund war, geht nicht nur aus seinen wortgewaltigen Beschreibungen von Naturphänomenen bzw. Landschaften (anzutreffen beispielsweise in Die Leiden des jungen Werthers) hervor, sondern auch aus seinen Tagebüchern. Dort steht geschrieben, dass er seinen Lieblingspflanzen, den Malven, Feste widmete. Die Pflanzen befanden sich in dem Parkgarten, den Goethe nach eigenen Entwürfen gestalten lies. Dieser Garten war ursprünglich verwildert und ebenso wie das Häuschen, das sich darin befand, ein 1779 erhaltenes Geschenk des Herzogs von Weimar. Um den herausragenden Schriftsteller zu ehren, wurde ein Malvengewächs – die Goethea-Arten (Goethea cauliflora und Goethea strictiflora) – nach ihm benannt. Auch andere Schriftsteller, wie Hermann Hesse, sind als Gartenfans bekannt.

Na, wenn das mal nicht genug Beweise dafür waren, dass Männer mehr können als Rasenmähen. Wenn Sie Ihren eigenen Garten für den Herbst vorbereiten wollen bzw. Tipps benötigen, welche Pflanzen im Winter wie gepflegt werden müssen, besuchen Sie am besten den Blog von DoctorPlant, dem sympathischen, modernen Gartenexperten. Sie finden dort sehr viele informative Beiträge zu den Themen  Gartenplanung, Pflanzenpflege und Pflanzenschutz sowie brauchbare Tipps und Tricks.

Fotos: Bild 1: Anton Foltin /Shutterstock.com ; Bild 2: Javier Martin /Shutterstock.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.