Pflanzliche Bitterstoffe reduzieren Bauchumfang

Die Bedeutung der Bitter-Rezeption für viszerale Adipositas und metabolisches Syndrom wird bis heute meist unterschätzt.

Dabei ist schon länger klar, dass eine genetisch bedingte „Bitter-Blindheit“ mit Übergewicht assoziiert ist (1). Zudem ist bekannt, dass züchtungsbedingt immer weniger Lebensmittel mit hohem Bitterwert zur Verfügung stehen – die nutritive Bitter-Rezeption also selten geworden ist.

Eine kontrollierte Studie zeigt jetzt, dass der Einsatz pflanzlicher Bitterstoffe Bauchumfang und Körpergewicht signifikant senken kann (2).

Bitter-Rezeptoren kommen nicht nur in der Mundschleimhaut vor, sondern auch in der Schleimhaut von Magen und Darm (3). Über ihre physiologischen Bedeutungen wird noch intensiv geforscht.

Teilaspekte der Auswirkungen von Bitterstimuli – neben Geschmacks-Modifikationen nach Aufnahme bitterer („toxischer“) Nahrung oder Veränderungen der Magenentleerungs-Geschwindigkeit – betreffen besonders den Energiemetabolismus, zum Beispiel die Glukose-Homöostase (4).

In einer placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie über sechs Wochen verwendeten 100 übergewichtige Patienten (durchschnittlicher Bauchumfang 56 Frauen: 80 cm resp. 44 Männer: 94 cm) dreimal täglich entweder 1 Teelöffel (3-4 g) eines pflanzlichen Bitterstoffproduktes (Urbitter® Granulat (5)) resp. Placebo.

Nach vier und sechs Wochen zeigte sich in der Bitterstoff-Gruppe eine hochsignifikante Abnahme des Bauchumfangs im Vergleich zum Nullwert (p<0,001). Im gleichen Zeitraum kam es in der Placebo-Gruppe dagegen zu einer hochsignifikanten Zunahme des Bauchumfangs (p<0,001).

In ähnlicher Weise veränderten sich auch andere adipositasassoziierte Parameter wie Oberschenkel-Umfang (-2,62 cm vs. +0,18 cm) oder Körpergewicht (-4,44 kg vs. +0,32 kg). Sekundäre Zielgrößen wie Stuhlfrequenz, Blähungsstärke oder Völlegefühl verbesserten sich unter Verwendung des Bitterstoffpräparates ebenfalls signifikant.

Patienten und Behandler schätzten die Wirksamkeit des Präparates zu 100% als „gut“ oder „sehr gut“ ein, während das Placebo überwiegend als unwirksam bewertet wurde. Die Verträglichkeit von Verum und Placebo wurde mehrheitlich als „gut“ oder „sehr gut“ eingestuft, von unerwünschten Nebenwirkungen wurden in keinem Fall berichtet.

Der Bauchumfang ist als Risikofaktor für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall oder Diabetes mellitus Typ 2 weitaus besser geeignet als zum Beispiel der Body Mass-Index (BMI). Liegt er über 80 cm (Frauen) resp. über 94 cm (Männer), ist das Risiko erhöht, liegt er über 88 cm bei Frauen resp. 102 cm bei Männern besteht ein deutlich erhöhtes Risiko.

Dies spiegelt auch die besondere pathogenetische Bedeutung der viszeralen Adipositas für das metabolische Syndrom und den Erwachsenen-Diabetes wider. Der Bauchumfang ist ein idealer Prognosefaktor für Störungen der Glukose-Homöostase, selbst bei Typ 2-Diabetikern (6).

Weitere Studien müssen jetzt zeigen, ob die Reduktion des Bauchumfangs nach Bitterstoff-Stimulation mit einem nachhaltig verringerten Risiko des metabolischen Syndroms und seiner Folgeerkrankungen einhergeht.

Literatur

(1) Tepper BJ, Koelliker Y, Zhao L, Ullrich NV, Lanzara C, d’Adamo P, Ferrara A, Ulivi S, Esposito L, Gasparini P: Variation in the bitter-taste receptor gene TAS2R38, and adiposity in a genetically isolated population in Southern Italy. Obesity (Silver Spring). 2008 Oct;16(10):2289-95.

(2) Neesen B: Doppelblinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Vergleichsstudie zum Nachweis der Wirksamkeit von Urbitter® Granulat bei Verdauungsschwäche, Völlegefühl, Blähungen, Verstopfung und Darmdysbiose. 2010, in Publikation.

(3) Behrens M, Meyerhof W: Oral and extraoral bitter taste receptors. Results Probl Cell Differ. 2010;52:87-99.

(4) Dotson CD, Zhang L, Xu H, Shin YK, Vigues S, Ott SH, Elson AE, Choi HJ, Shaw H, Egan JM, Mitchell BD, Li X, Steinle NI, Munger SD: Bitter taste receptors influence glucose homeostasis. PLoS One. 2008;3(12):e3974.

(5) Urbitter® Bio Granulat (PZN 1551707); Hersteller: Dr. Pandalis Urheimische Medizin GmbH und Co. KG, Glandorf (www.urheimische-medizin.de).

(6) Blaha MJ, Gebretsadik T, Shintani A, Elasy TA: Waist circumference, not the metabolic syndrome, predicts glucose deterioration in type 2 diabetes. Obesity (Silver Spring). 2008 Apr;16(4):869-74.

http://www.urheimische-medizin.de

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