Starke Zunahme entzündlicher Darmerkrankungen

Wenn die Psyche auf den Darm schlägt

Seit einigen Jahren nehmen in westlichen Industrieländern Darmkrankheiten in teils dramatischem Umfang zu. Alleine in Deutschland sind mehr als 300.000 Menschen von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Kolitis ulcerosa betroffen, überdurchschnittlich oft junge Menschen zwischen 20 und 30.

Und gerade bei dieser Bevölkerungsgruppe ist auch die Scham am größten, über derlei Erkrankungen zu sprechen. Dieses Schamgefühl gepaart mit mangelndem Wissen kann schlimme Folgen haben, „insbesondere, wenn die Betroffenen versuchen, die Beschwerden in Eigentherapie zu behandeln“, so Dr. Uwe Pohlen, Chefarzt an der Fachklinik Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Ortenau Klinikums Offenburg-Gengenbach.

Morbus Crohn kann nach intensivem Krankheitsverlauf zu einer dauerhaften Zerstörung des Schließmuskelapparats mit Stuhlinkontinenz führen. In seltenen Fällen ist nach einer schweren Entzündung des Dickdarms sogar ein künstlicher Darmausgang notwendig.

Wichtig sind deshalb ein offener Umgang mit der Krankheit sowie ein Besuch beim Haus- oder Facharzt, damit dieser die Krankheit frühzeitig diagnostiziert und eine zielgerichtete Therapie einleitet.

Kein Mythos: das vielzitierte Bauchgefühl

Was nur wenige Menschen wissen: Unser „Bauchgefühl“ gibt es wirklich, denn Verdauen ist bei weitem nicht die einzige Aufgabe des Darms. Mit seinen etwa sechs Metern Länge hat er mehr Nervenzellen als das Rückenmark. Im Darm entstehen zahlreiche Substanzen, die unsere Gemüts- und Stimmungslage beeinflussen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Kolitis ulcerosa sind deshalb nicht zu verharmlosen, zumal sie den gesamten Verdauungstrakt betreffen können. „Die Darmtätigkeit ist bei den Betroffenen durch einen Entzündungsprozess eingeschränkt“, so Dr. Uwe Pohlen.

„Sie leiden unter häufigen Durchfällen und Schmerzen im Unterbauch sowie unter Fieber, Gewichtsverlust und Abgeschlagenheit.“

Die Ursachen beider Erkrankungen sind nicht restlos geklärt. Neben einer genetischen Veranlagung spielen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch negative Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle, so der Chirurg: „Emotionale Belastungen können die Darmfunktion stark beeinträchtigen.

Es gilt als sicher, dass psychosozialer Stress gerade bei Morbus Crohn in erheblichem Maße zur Verstärkung oder gar Auslösung der Krankheit führen kann.“

„Warnung: Rauchen schädigt Ihren Darm!“

Steht die Diagnose Morbus Crohn oder Kolitis ulcerosa fest, muss dies nicht gleich ein Schicksalsschlag sein, betont Dr. Pohlen, beide Erkrankungen seien in der Regel gut therapierbar. „Die Krankheiten verlaufen schubweise. Zwischen Zeiten höherer Krankheitsaktivität liegen regelmäßig auch längere Phasen von Beschwerdefreiheit. Auch wenn etwa Morbus Crohn nicht vollständig heilbar ist: Durch die richtige Therapie führen bis zu 70 Prozent der Patienten ein weitgehend normales Alltagsleben.“

Entscheidend für den Krankheitsverlauf ist es, sich intensiv mit belastenden Stressfaktoren auseinanderzusetzen und zudem die Ernährung sorgsam umzustellen. Ganz wichtig ist auch der Verzicht auf Glimmstängel, wie Studien belegen: Patienten, die mit dem Rauchen aufhören, erleben einen weitaus weniger schweren Krankheitsverlauf als Patienten, die weiterhin rauchen.

Mehr Infos unter: http://www.ortenau-klinikum.de

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