Vorsorge statt Nachsorge

praeventionDie Früherkennung von Krankheiten rettet Leben, dennoch scheuen sich viele Menschen vor der Vorsorge. Inzwischen gibt es ein großes Angebot an Untersuchungen, bei einigen besteht sogar eine Beratungspflicht und nicht alle werden von der Kasse bezahlt.

Die große Darmspiegelung oder ein Gang zum Urologen sind wahrlich keine erfreulichen Ereignisse, obwohl sie helfen können, das eigene Leben zu verlängern, wenn Prostata- oder Darmkrebs-Tumore früh genug erkannt werden.

Doch allein schon die Bezeichnungen der möglichen Vorsorgeuntersuchungen und das Wissen, diese der eigenen Gesundheit zuliebe besser früher als später über sich ergehen lassen zu müssen, treibt einigen einen eiskalten Schauer über den Rücken.

Wohl weil gesundheitsbewusste Frauen schon früh an regelmäßige, unangenehme gynäkologische Untersuchungen gewöhnt sind, ist bei ihnen die Bereitschaft, an Vorsorgeuntersuchungen teilzunehmen, größer als bei Männern. Dass das „starke Geschlecht“ Studien zufolge bei vorsorglichen Untersuchungen eher kneift als das „schwache“, hat den Männern den Ruf der Vorsorge-Muffel eingebracht.

Doch es existiert nicht nur die persönliche Angst-Barriere, die von der Inanspruchnahme einer Vorsorgeuntersuchung abhält. Nicht selten ist es auch das leidige Geld. Denn nicht alle Untersuchungen werden von der Krankenkasse bezahlt und manche Maßnahmen werden wiederum nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erstattet.

Welche Vorsorgeuntersuchungen es für wen und bei welchem Arzt gibt, wann diese sinnvoll sind und ob die Krankenkasse hierfür zahlt, hat das Verbraucherportal für Versicherungen, finance-store.de, in einem Wegweiser (www.finance-store.de/vorsorge-untersuchungen) zusammengetragen. Vorsorgemaßnahmen, die der gesetzlich Krankenversicherte aus der eigenen Tasche zahlen muss, tragen den schönen Namen „IGeL“.

Die niedlich klingende Abkürzung steht für eine hässliche Facette unseres Gesundheitssystems: Individuelle Gesundheits-Leistungen werden nicht von den Krankenkassen erstattet. Wer also persönlich etwas für seine Gesundheit tut, wird dabei oftmals von Vater Staat im Stich gelassen.

Manchmal droht er sogar mit Konsequenzen: So besteht eine Beratungspflicht für einige Krebs-Vorsorgeuntersuchungen. Kann man im Falle einer späteren Erkrankung nicht beweisen, dass man einst an der entsprechenden Beratung teilgenommen hat, so muss man draufzahlen. Jene Untersuchungen, für die eine Beratungspflicht besteht, werden im genannten Wegweiser gekennzeichnet.

Ein weiteres Hindernis, Vorsorge zu betreiben, stellt die Problematik der Risiken und Nebenwirkungen dar. Denn einige Untersuchungen sind nicht ganz ungefährlich. Darüber hinaus gibt es auch viele Menschen, die überhaupt nicht wissen möchten, wenn etwas mit ihrer Gesundheit nicht stimmt.

Die Furcht, einen positiven Befund nach einer Mammographie, einem PSA- oder Hautkrebs-Screening zu erhalten und damit umgehen zu müssen, ist für viele Grund genug, die Untersuchung gar nicht erst durchführen zu lassen. Das ist auch legitim. So wie es keine Pflicht zum Arztbesuch gibt, existiert auch keine Pflicht, Untersuchungen im Rahmen der Früherkennung vornehmen zu lassen. Es gibt nicht einmal ein Gesetz, das Eltern dazu verpflichtet, die wichtigen Kinder- und Jugenduntersuchungen (U-Untersuchung und J-Untersuchung) durchführen zu lassen.

Bevor man die Beratungspflicht bei bestimmten Krebsvorsorgeuntersuchungen einführte, wurde jedoch tatsächlich eine Untersuchungspflicht debattiert. Sie wäre aber mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht nicht vereinbar gewesen, da jeder ein Recht auf Nichtwissen hat.

Zum eigenen Besten sollte man allerdings die Furcht vor einer schlechten Nachricht und den Horror vor der Untersuchung selbst überwinden und sich gründlich durchchecken lassen. Denn die Gewissheit, gesund zu sein, ist eine Erleichterung, die den psychischen Druck zuvor sicher wieder wett macht.

Denn wenn nichts gefunden wurde oder eine schlimme Erkrankung durch einen kleinen Eingriff abgewendet werden konnte, so kann man auch wesentlich entspannter sein Leben genießen.

Bild: iStockphoto.com © Sean Prior

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