Motorradfahren im Herbst | © panthermedia.net /Kostudio

Motorradfahren außerhalb der Sommerzeit – wie man auch im Herbst gefahrlos biken kann

Bunte Laubwälder, klare Luft, tief stehendes Sonnenlicht – der Herbst bezaubert mit besonderen Momenten in der freien Natur. Nicht ohne Grund kommt da bei eingefleischten Motorradfahrern der Wunsch auf, ihr Motorrad nicht in der Garage versauern zu lassen, sondern auch in dieser Jahreszeit die ein oder andere Ausfahrt zu veranstalten.



Das Motorradfahren im Herbst birgt jedoch auch einige Gefahren, die in der vorherigen Sommerzeit keine Rolle gespielt haben. Denn wenn die Tage kürzer werden und die Temperaturen fallen, muss man auf ganz andere Dinge Rücksicht nehmen als im Hochsommer. Wie kommt man auch im Herbst noch sicher an sein Ziel und vermeidet gefährliche Rutschpartien?

Der Kälte trotzen

Spätestens ab Mitte Oktober kann man es förmlich spüren: Mit jedem voranschreitenden Herbsttag sinken die Gradzahlen. Oft unterschätzen Motorradfahrer die damit einhergehende Kälte, bis sie nach einigen Minuten merken, wie der beißende Fahrtwind ihnen um die Ohren pfeift und bis unter die Kleidung kriecht. Dabei ist es gerade auf dem Bike besonders wichtig, locker und geschmeidig zu bleiben und nicht zu verkrampfen, denn Kälte mindert den Fahrspaß und vor allem auch die Konzentration.

Eine figurbetonte schwarze Lederkutte mag zwar gut aussehen, hat aber ab dem Herbstanfang definitiv einen Pause verdient und sollte erst bei angenehmen Frühlingstemperaturen wieder aus dem Kleiderschrank herausgeholt werden. Stattdessen hilft bei kälteren Temperaturen das klassische Zwiebelprinzip: Mehrere eng anliegende Kleidungsschichten sorgen durch die dazwischenliegende Luft dafür, dass die Körperwärme gut gespeichert wird. Dabei aber unbedingt darauf achten, die Bewegungsfreiheit nicht zu beeinträchtigen! Funktionsbekleidung, wie zum Beispiel eine atmungsaktive Weste in Kombination mit einer winddichten Thermojacke, ist definitiv von Vorteil.



Außerdem sollte man unbedingt auf gute Funktionswäsche setzen, die auch nach mehreren Waschgängen noch nah am Körper anliegt und einen guten Feuchtigkeitstransport garantiert. Sturmhauben, Hals- und Kniewärmer, windabweisende Überzieher und ähnliche kleine Accessoires sind in der Lage, bei Wind und Wetter Großes zu bewirken. Auch Thermo-Wollsocken und ein Nierengurt gehören zur herbstlichen Ausrüstung dazu.

Fahrmanöver vorsichtig ausführen

Kurz vor einem Regenschauer | © panthermedia.net /cookelma

Kurz vor einem Regenschauer | © panthermedia.net /cookelma

 

Neben tollen bunten Landschaften, kaum befahrenen Straßen und wenig Ausflugsverkehr an Motorrad-Treffpunkten bringt der Herbst allerdings auch Nachteile: Das Fahrzeug hat eine deutlich längere Aufwärmzeit. Die kalten Reifen und der kühle Asphalt verzahnen sich nicht so optimal wie an wärmeren Tagen, was für eine geringere Reifenhaftung sorgt. Bei Regen wird dieses Problem noch verstärkt, denn der Reibbeiwert verringert sich, wodurch weniger Schräglage gegeben ist und sich die Bremswege erheblich verlängern.

Daher lautet die Devise bei solchen Gegebenheiten: Runter vom Gas und vorausschauend fahren! Im Sommer unbedenkliche Fahrmanöver wie Beschleunigen, Bremsen, Einlenken, Kurvenfahren und Überholen sollten im Herbst deutlich sanfter angegangen werden, denn der Grip der Reifen auf der oftmals nassen Fahrbahn ist schwerer einzuschätzen. Besonders bei morgendlichem Tau und abendlicher Feuchtigkeit kann es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn man seine Fahrweise nicht den gegebenen Wetterbedingungen anpasst. Früher bremsen und später anfahren!

Ein vorheriges Training auf einsamem Gelände, wie beispielsweise auf einem leeren Parkplatz, ist durchaus empfehlenswert. Hierbei kann man ausprobieren, wie die Bremsen bei Regen reagieren und lernt gleichzeitig, gefühlvolle und geschmeidige Lenkbewegungen auszuführen. Das ist ratsamer, als ohne Übung direkt lange Herbst-Touren zu planen – das gilt auch für erfahrene Biker.

Weitere Gefahren im Herbst

Eine gute Sicht ist wichtig | © panthermedia.net /Luis Louro

Eine gute Sicht ist wichtig | © panthermedia.net /Luis Louro

 

Im Herbst lauern einige Gefahren auf den Straßen, auf die man vorbereitet sein sollte. Hierzu zählen verschiedenste Fahrbahnverschmutzungen: Laubblätter und Fallobst gehören genauso dazu wie abgebrochene Äste oder Zweige. In ländlichen Regionen kommt es vermehrt zu Dreck durch Ernte- und Forstfahrzeuge. Dort also besonders aufmerksam sein und mit Ausweichmanövern rechnen, gerade auch in Alleen.

Plötzlich aufkommende Nebelschwaden, die früh einsetzende Dunkelheit und die tiefstehende Sonne beeinträchtigen auf erhebliche Weise die Sicht, weshalb ein gutes, kratzfreies Visier unabdingbar ist. Zusätzlich helfen Anti-Beschlagmittel dabei, einen klaren Blick zu behalten. Doch nicht nur das eigene Sehen wird zum Problem – man selbst wird auch nur schwer erkannt. Das bedeutet: gut sichtbare Kleidung tragen und regelmäßig die Motorradbeleuchtung kontrollieren!

Im Herbst ist Paarungszeit der Hirsche und Wildschweine, weshalb der Wildwechsel in dieser Zeit besonders stark ausgeprägt ist. Die meisten Unfälle passieren in den Morgenstunden oder zur Abendzeit, daher sollte man sich gerade dann bewusst sein, dass Wild unerwartet die Fahrbahn überqueren kann. Ein vergrößerter Sicherheitsabstand und besondere Vorsicht an den Übergangsbereichen zwischen Wald- und Feldzonen sind geboten!

Fazit: Motorradfahren außerhalb der Sommerzeit

Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen kann man auch an kühleren Herbsttagen gefahrlos mit seinem Motorrad flotte Runden drehen, solange man dabei die oben genannten Dinge berücksichtigt und gefährliche Kurven oder waghalsige Überholmaßnahmen lieber in den Sommer verschiebt. Mit der richtigen Ausrüstung und vorausschauender Fahrweise lassen sich im Herbst tolle Touren fahren und wunderschöne Landschaften entdecken. Und das Beste daran: Viele Motorradfahrer trauen sich nicht in die Kälte, weshalb die Strecken oft leer sind und man an den Biker-Treffpunkten schneller an seine Manta-Platte oder seinen Kaffee kommt.



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