Wein als neues Hobby | © panthermedia.net / Enrico Mantegazza

„Komm‘, schenk dir ein“ – Wie Wein zu Ihrem Hobby wird!

Er wird häufig besungen, gern zu gutem Essen getrunken und bei übermäßigem Verzehr am nächsten morgen heftigst verflucht: der Wein. Wer seine Liebe zum Wein ausbauen will, weiß oftmals nicht, wo er anfangen soll und gerade wer noch nicht so richtig auf den Geschmack gekommen ist, tut sich mit der Wahl eines passenden Weines schwer. Wir haben mit Alexander Gottardi, Experte in Sachen Wein, gesprochen und verraten Ihnen hier, wie Sie den Wein-Genuss zu ihrem Hobby machen können und auf was Sie gerade zu Beginn achten sollten.

  • Wein als Hobby

Da unsereiner zwar ein wenig Ahnung von Wein hat, sich aber längst nicht in der Lage sieht Ihnen Tipps zu geben, haben wir bei jemandem nachgefragt, der so richtig Ahnung hat: Alexander Gottardi. Als Eigentümer von einem der traditionsreichsten Weinhandelsbetriebe leitet er das Familienunternehmen bereits in der vierten Generation. Mit über 114 Jahren Erfahrung im Weinhandel und 40 Jahren im Weinverkauf per Versand kann Herr Gottardi aus einem unglaublichen Erfahrungsschatz schöpfen. Bei ihm gibt es vom „exklusiven Spitzenwein bis hin zu ausgezeichneten Weinen in gemäßigter Preislage“ für jeden ein passendes Fläschchen.

Neben dem Weinbetrieb führt Alexander Gottardi einen Blog, in dem Weinkenner und -neulinge sich über Trends, Neuheiten und Weinverkostungen informieren können. Auch Rezeptideen mit den passenden Weinvorschlägen oder Informationen zu Themenabenden und regionalen Weinen finden Platz auf seinem Blog.

  • Den „richtigen“ Wein finden

Als Weinanfänger ist es nicht leicht guten von schlechtem Wein zu unterscheiden. Worauf kommt es an und worauf müssen Anfänger beim Weinkauf achten beziehungsweise welche Informationen können bei der Wahl des Weines helfen? „An erster Stelle sollte man sich informieren, welche Weine typisch für das jeweilige Anbaugebiet sind. Vor allem sollte man auf die klassischen Rebsorten der jeweiligen Region achten. Beim Kauf vom Winzer sollte man vor allem erfragen, ob die Weine klassisch ausgebaut sind, das heißt, ob die Vergärung und der Ausbau im Stahl- oder Holzfass stattfanden und ob es ein großes oder kleines Holzfass war. Denn durch einen zu intensiven oder nicht typischen Holzeinsatz wird es schwierig, die wahre Stilistik des Weines zu erkennen.“ Als wichtigsten Hinweis gibt Gottardi allen Einsteigern den Rat: „Am Beginn vor allem darauf achten, keine zu geschmacksintensiven Weine zu verkosten!“

Da es im Supermarkt sehr schwer sei, etwas zu dem betreffenden Wein zu erfragen, empfiehlt er als Alternative zur Nachfrage beim Winzer einfach ein Mal einen Weinfachhändler zu besuchen, „der mit der entsprechenden Kompetenz zu Seite steht“.

  • Wein richtig servieren – Welcher Glastyp passt?

Um einen Wein angemessen zu servieren, reicht es nicht einfach aus, den Korken zu ziehen und auf den Genuss zu hoffen. „Als erstes muss man auf die Serviertemperatur achten. Hier hilft einem auch der Fachmann oder manchmal steht auch eine Empfehlung auf dem Etikett. Als Faustregel gilt: Je frischer und jünger der Wein, desto kühler die Trinktemperatur. Bei Weißweinen bedeutet dies ca. 12 °, bei Rotweinen ca. 16 °. Im Zweifelsfall lieber etwas kühler, der Wein kann mit den Händen im Glas aufgewärmt werden, während zu warmer Wein keinen wirklichen Spaß macht.“ Um neben der Temperatur beim nächsten Besuch von Gästen auch das richtige Glas parat zu haben, verrät Gottardi: „Beim Glas gilt auch: je leichter und jünger der Wein, desto schlanker die Gläser.

Umgekehrt natürlich auch: je kräftiger und älter der Wein, desto größer die Gläser. Für den Anfang kommt man meist mit zwei Gläsersorten durch, ein guter Kompromiss ist für den Weißwein: Glastyp „Chianti“ und für den Rotwein: Glastyp „Bordeaux“. Erst nach einigen Erfahrungen empfehle ich den Schritt zur Verfeinerung in Richtung „Burgund“, „Barolo“, etc. Auf keinem Fall fehlen darf ein guter Korkenzieher, die Spindel sollte mindestens acht Drehungen haben!“   In manchen Situationen – um eventuell einen zu verschlossenen Wein zu belüften – empfiehlt unser Experte auch eine Karaffe für den Wein.

  • Ein Hobby für jeden Geldbeutel?

Wer das Hobby Wein mit Vernunft betreibt, für den ist es nicht zwangsläufig teuer, meint Gottardi. „Vor allem am Anfang sollte man sich auf die Basis-Weine der jeweiligen Region begrenzen, zum Beispiel im Kamptal mit den Sorten Grüner Veltliner und Riesling oder Thermenregion Spätrot, Rotgipfler, St. Laurent, Blauburgunder, Neusiedlersee Zweigelt etc., die man zu einem vernünftigen Preis erwerben kann.“

Von Fachliteratur rät der erfolgreiche Unternehmer eher ab „Fachliteratur ist meist wenig neutral und es ist schwer informatives zu finden. Sehr oft bringt ein Autor seine subjektive Meinung ein, die nicht unbedingt die Region oder das entsprechende Weinsortiment neutral beschreibt.“ Als gute neutrale Informationsquelle empfiehlt er Lexika wie Wikipedia oder die Seite für Österreichisches Weinmarketing, die sehr gutes Prospektmaterial zur Verfügung stellen.

  • Das Abenteuer Wein

Ist ein Anfänger auf einer Weinprobe wirklich gut aufgehoben? Und: Ist das der richtige Weg, sein Interesse an Wein zu entdecken oder sein Wissen zu vertiefen? „Weinproben für Neueinsteiger ist wahrscheinlich die einzig wahre Möglichkeit, um zum Weinkenner zu werden. Hier empfiehlt sich aber gerade am Anfang die so genannte kommentierte Verkostung, bei der von einem Fachmann erklärt wird, auf was es bei den probierten Weinen ankommt. Wenn man diese Erfahrungen speichern konnte, beginnt erst das richtige Abenteuer Wein, wo man dann selbst versuchen sollte, Alternativen und Steigerungen zu erfahren.“

Wer also zum Weinkenner werden möchte, der kann einfach mal eine Weinprobe besuchen oder beim benachbarten Winzer oder einem Weinfachmann nach einer Beratung fragen. Nur Mut! Denn die meisten Weinfachleute freuen sich über Ihr Interesse! Mit einem großen Mythos räumt Alexander Gottardi im Bezug auf die Laufrichtig des Weines im Glas zum Schluss aber noch auf: „Ob der Wein sich im Glas nach links oder rechts dreht? – Das ist was für Esoteriker!“

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