Heimlich mit der Geliebten chatten | © PantherMedia /luckybusiness

Darf´s ein bisschen Affäre sein?

Fremdgehen in einer festen Beziehung – für den Großteil aller Deutschen ein absolutes No-Go. Wer sich auf eine Affäre einlässt, sorgt für Probleme, provoziert Streit und riskiert oftmals sogar eine Trennung. Trotz Affäre weiterhin eine glückliche Beziehung zu führen, scheint unmöglich. Treue dagegen hat oberste Priorität bei den allermeisten Pärchen. Oder?



Tatsächlich sprechen sich immer mehr Paartherapeuten für eine Affäre aus. Sie sind der Meinung: Die Probleme einer Beziehung fangen nicht erst beim Fremdgehen an – die Gründe liegen viel tiefer. Wir erklären euch, unter welchem Umständen eine Affäre eingeschlafenen Beziehungen nicht schaden, sondern sie sogar auffrischen kann.

Mensch nicht auf Monogamie ausgelegt

Liebhaber, bester Freund, Seelenverwandter, Geschäftspartner und Kumpel: Das alles soll der perfekte Partner uns heutzutage bieten. Er soll mit uns lachen können, unserer Familie und unseren Freunden gefallen, für uns da sein und nicht zuletzt auch für Abenteuer im Bett sorgen. Ganz schön viel in einer Person.

Blickt man jedoch einige Jahrzehnte in der Geschichte zurück, so wird deutlich, dass ein solches Bild des perfekten Partners noch gar nicht so lange existiert. Im 17. Jahrhundert war den Menschen die Idee einer selbstbestimmten Liebesheirat noch fremd. Ehen wurden aus ökonomischen Gründen zwischen Familien gleichen Standes vereinbart, weshalb es nicht unüblich und auch nicht verwerflich war, dass man zeitgleich sexuelle Kontakte zu Geliebten führte. Selbst zu Zeiten unserer Urgroßeltern wurden noch einige Hochzeiten aufgrund des Familienstandes organisiert.



Führt man sich diese Tatsache vor Augen, ist es nur verständlich, dass der Mensch von Natur aus nicht auf Monogamie ausgelegt ist. Menschen haben Gelüste und dürfen Gelüste haben – die Frage ist, wie man in einer Beziehung damit umzugehen mag.

Das ursprüngliche Problem ist nicht die Affäre

Gekreuzte Finger | © PantherMedia /AndreyPopov

Gekreuzte Finger | © PantherMedia /AndreyPopov

 

Dass Beziehungen aufgrund von verheimlichten Affären scheitern können, dürfte selbstverständlich sein – doch in Wirklichkeit ist nicht die Affäre der Grund für die Probleme. Die Wahrheit ist: Wenn jemand heimlich fremdgeht, läuft die Beziehung augenscheinlich schon vorher nicht komplett glatt.

Das muss nicht bedeuten, dass ein Paar überhaupt nicht mehr glücklich miteinander ist und erst recht nicht, dass die Beziehung keine Zukunft mehr hat. Meistens sind es nur kleine Unzufriedenheiten, häufig bezogen auf das Sexleben des Paares, die eine Affäre hervorrufen.  Wird jedoch nicht ausreichend über solche Unzufriedenheiten gesprochen, kommt es zu Problemen. Das Fremdflirten oder Fremdgehen wird verheimlicht und es entstehen Geheimnisse.

Eine Frage der Moral

Wichtig vorab: Dieser Beitrag soll selbstverständlich nicht direkt zum Fremdgehen, Lügen oder Betrügen aufrufen. Wir möchten euch stattdessen zeigen, wie Affären der Beziehung helfen können, indem Probleme und Missverständnisse aufgedeckt werden.

Grundsätzlich hängt alles von den beiden an der Beziehung teilhabenden Personen und ihren Einstellungen ab. Seid ihr beide vollkommen happy miteinander und ist euch eine monogame Beziehung ohne Affären so wichtig, dass ihr bereit seid, auf mögliche Flirts zu verzichten? Dann ist das super und die perfekte Lösung für euch. Für andere Paare ist es dagegen vielleicht auch völlig okay, seinem Partner etwas mehr Privatsphäre zu gestatten.

Wie viele Freiheiten ihr euch untereinander lasst, hängt ganz von eurem persönlichen Gefühl ab. Hier lautet die Devise: Sprecht miteinander und setzt euch damit intensiv auseinander. Viele Beziehungen scheitern schlichtweg, weil sich die Paare nicht von Anfang an klar über ihre Bedürfnisse und Vorstellungen ausgetauscht haben. Das führt auf Dauer zu Missverständnissen. Redet besser direkt miteinander, anstatt Probleme aufkommen zu lassen!

Wieso Affären die Beziehung auffrischen können

Da der Mensch von Natur aus nicht auf einen einzelnen Liebhaber ausgerichtet ist, kann es von Vorteil sein, sich mit seinem Partner auf eine etwas offenere Beziehung zu einigen. Dabei muss abgeklärt werden: Was ist erlaubt, wo liegen Grenzen? Für manche Pärchen könnte es zum Beispiel spannend sein, über eine Singlebörse Kontakt mit neuen Leuten aufzunehmen und dort ein bisschen zu chatten. Andere einigen sich dagegen vielleicht lieber darauf, ohne Partner auszugehen und dort unverbindlich und ohne weitere Annäherungen an der Bar mit unbekannten Gesichtern zu quatschen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten. Auch hier gilt: Jede Beziehung ist anders und jede Person hat unterschiedliche Vorstellungen von Treue und Freiheit.

Viele Paare, die sich auf eine offenere Beziehung geeinigt haben, berichten von einem gesteigerten Selbstwertgefühl. Die Tatsache, dass sich außerhalb der Beziehung jemand ernsthaft für sie interessiert, sorgt für ein Hochgefühl. Langeweile adé! Auch können neue Erfahrungen die alte Beziehung auffrischen und für mehr Kick sorgen.

Übrigens: Paare, die sich untereinander mehr Freiheiten geben, machen in vielen Fällen gar keinen Gebrauch davon. Alleine die Tatsache, dass Flirts generell möglich sind, verbindet sie näher mit dem eigentlichen Partner. Getreu nach dem Motto: Was ich sowieso haben kann, das will und brauche ich nicht.

Ups, es ist einfach passiert

Affäre | © PantherMedia /Antonio Guillen Fernández

Affäre | © PantherMedia /Antonio Guillen Fernández

 

Und was ist, wenn man sich vorher nicht mit dem Partner abgesprochen hat und trotzdem fremdgegangen ist? Oder wenn man trotz der Einigung auf eine treue Beziehung einer Affäre nicht widerstehen konnte? Auch das muss nicht das Ende der Beziehung bedeuten. In solchen schwierigen Fällen kommt es auf die Bereitschaft und Verantwortung beider Partner an.

Wenn der Seitensprung nicht verziehen werden kann und grundsätzlich zu viele Unstimmigkeiten in der Beziehung bestehen, dann ist eine Trennung vermutlich die beste Entscheidung. Doch ansonsten kann die Affäre helfen, den Blick auf das Wesentliche zu richten: Was ist bis jetzt schiefgelaufen, wieso ist es überhaupt so weit gekommen, was fehlt in der Partnerschaft? Wenn ihr euch diese Fragen stellt, könnt ihr eure Beziehung neu aufleben lassen und mithilfe richtiger Kommunikation diejenigen Probleme lösen, die euch schon länger belasten.